Wie kann man Location-based Services mit Bildungsinhalten verbinden?

Dieser Artikel bezieht sich vor allem auf die von uns beschriebene Kategorie C von ortsbezogenen Anwendungen, welche Informationen über Bildungsangebote in der Umgebung des Nutzers zusammenfassen und anzeigen. 

Location-based Services sind dann besonders attraktiv, wenn Sie auf eine qualitativ hochwertige und eine quantitativ umfangreiche Datenbasis zurückgreifen können. Wenn die potentielle Nutzerin für ihre unmittelbare Umgebung keine passenden Informationen findet, wird sie die den Service bzw. die Anwendung schnell wieder verwerfen.

Die größten Anbieter von ortsbezogenen Informationen im Internet sind derzeit Facebook, Google, FourSquare und Qype. All diese Anbieter haben Apps für Smartphones welche den aktuellen Standort des Nutzers nutzen um relevante Ergebnisse in der Umgebung zu finden. Darüber hinaus gibt es eigenständige Apps, wie z.B. Around Me, die ebenfalls eine Umgebungssuche anbieten. Keine dieser Apps verfügt jedoch über eine eigene Kategorie für Orte die sich um das Thema Bildung oder Lernen drehen. Eine gezielte Suche nach Bildungsangeboten ist derzeit also nicht möglich.


Stichprobe: Die Kategorie „Bildung“ vermisst man bei mobilen Apps zur Umgebungssuche

Eine Besonderheit bei Location-based Services ist, dass die Ergebnisse nicht nur örtlich, sondern auch zeitlich eine hohe Relevanz aufweisen sollten. Die Nutzung von mobilen Geräten ist durch das „Hier und Jetzt“ geprägt, und so gehört zu den frustrierendsten Erfahrungen wenn man sich auf den Weg zu einem nahegelegenen Ort gemacht hat, nur um festzustellen, dass dort heute oder gerade jetzt geschlossen ist.

Für Bildungsangebote sollten daher nicht nur die Bildungsstätten georeferenziert werden, sondern auch die Bildungsangebote mit entsprechenden Zeiten und Zugangsvoraussetzungen (Anmeldung, Preise, etc.) erfasst werden. Das ist bei den großen Anbietern von Ortsdaten jedoch derzeit überhaupt noch nicht möglich.

Die händische Pflege und regelmäßige Aktualisierung der entsprechenden Datensätze auf mehreren Plattformen ist weder für Bildungseinrichtungen noch für die Datenanbieter redaktionell zu leisten. Wir sehen hier großes Potential für eine softwarebasierte Lösung, welche die Veröffentlichung und Verbreitung von räumlich-zeitlichen Informationen über Bildungsveranstaltungen in einem standardisierten Format ermöglicht. Eine solches Format zum Datenaustausch, kombiniert mit einfach zu bedienenden Anwendungen und ausgelegt für die einfache Integration in bestehende Systeme, würde die Bildungseinrichtungen in die Lage versetzen, hochqualitative Daten über ihre Angebote einfach zu publizieren, während Suchmaschinen und Datenbanken diese Formate aggregieren und dann auch quantitativ umfangreiche Informationen über einen entsprechenden Dienst zur Verfügung stellen können.

Die Entwicklung eines offenen Mikroformats, welches einfach in bestehende Internetangebote eingebunden werden kann, wäre eine Möglichkeit um die Anbietern von Bildungsinhalten zu unterstützen ohne, dass diese dabei die Kontrolle über ihre Daten an andere abgeben müssen.

Was genau braucht man dafür?

Ein Datenformat, welches ein Bildungsangebot (Titel, Beschreibung, Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen, Preis) und entsprechende Geoinformationen (Latitude, Longitude, Ortsbezeichnung), sowie zeitliche Informationen (Datum, Uhrzeit und Dauer der Veranstaltung) miteinander verknüpft. Dieses Format sollte für Menschen und Maschinen lesbar sein und sich leicht in bestehende Dokumentformate (z.B. HTML) integrieren lassen.

Software zum Erstellen und Verwalten der entsprechenden Datensätze. Eine einfache Referenz-Implementierung zur Demonstration würde im ersten Schritt genügen, da die entsprechenden Funktionen später in andere Software-Projekte integriert werden können.

Software zum Sammeln der Daten, wie beispielsweise ein dedizierter Crawler der Webseiten nach entsprechenden Datensätzen durchsucht. Es könnte aber auch ein Browserplugin sein, mit dem Nutzer gezielt die vorhandenen Informationen durchsuchen können.

Eine mobile App mit Zugriff auf eine entsprechend aggregierte Datenbank um die Datensätze einer Vielzahl von Anbietern durchsuchen zu können.

Location-based Learning – was ist das?

Location-based Learning ist ein Sammelbegriff für Lernformen, Lernszenarien, Dienstleistungen, Services und Software die Lerninhalte in Beziehung zum aktuellen Aufenthaltsort des Lernenden stellen.

Die meisten der vorhandenen Konzepte und Projekte lässt sich mit großer Mehrheit in eine der folgenden drei Kategorien einordnen:

a) GPS-geführte Lernpfade: Ähnlich dem Geocaching werden GPS Geräte zur Orientierung entlang eines Lernpfades eingesetzt. Die Idee der Schnitzeljagd wird hier mit moderner Technik umgesetzt, sodass (nicht nur) Kinder und Jugendliche sich leichter begeistern lassen. Die Pfade gehen oft von Station zu Station, wobei es an jeder Station etwas zu entdecken oder eine Aufgabe zu lösen gilt. GPS-Pfade können in jeder Umgebung, egal ob Wald oder Stadt erstellt werden und lassen sich ganz auf die jeweilige Idee und Zielgruppe zurecht schneiden. Um einen GPS-Pfad zu erstellen, ist es am besten, den Pfad selbst mit einem GPS Gerät abzugehen oder abzufahren und die einzelnen Stationen mit dem Gerät aufzuzeichnen. Zur Not kann ein GPS-Pfad aber auch online, z.B. nur mit einer Google-Karte, erstellt werden.

b) Lokalisierte Informationen und Augmented Reality: Hier wird der aktuelle Aufenthaltsort und ggfs. sogar weitere Informationen wie z.B. die Blickrichtung eines Nutzers ausgewertet um standortbezogene Informationen darzustellen. Je nach Verfügbarkeit und Qualität der Informationen kann mit einer solchen Anwendung schnell eine Lernsituation entstehen in der der Anwender etwas über die Geschichte des Ortes und der Gebäude in seiner Umgebung erfährt. Mit entsprechender redaktioneller Aufbereitung oder einer moderierten Nutzung einer solchen Anwendung lassen sich an bestimmten Orten sehr engagierende Lernszenarios entwickeln.
Mit fortschreitender Entwicklung und zukünftigen Algorithmen zur Objekterkennung, werden Szenarios denkbar, in denen jedes reale Objekt online mit Informationen über dieses Objekt, seine Geschichte, Herstellungsprozess, Besitzer und Anwendungsmöglichkeiten verknüpft ist. Bisherige Beispiele: AR App + Google Glasses. (Links?)

c) Informationen über Bildungsangebote in der Umgebung: Anhand der aktuellen Position des Anwenders werden traditionelle Bildungsangebote, Lernorte und Events in der unmittelbaren Umgebung des Nutzers gefunden und präsentiert. Hier geht es vor allem um das Entdecken und Besuchen von Bildungsangeboten die im Umfeld des Nutzers bereits vorhanden sind. Im Gegensatz zu den ersten beiden Kategorien müssen keine neuen Lernformate oder Lernszenarios entwickelt werden, stattdessen werden bestehende Angebote für mobile Nutzer erschlossen. Es gibt bisher jedoch noch keine Suchmaschine und keine Datenbank, die eine solche ortsabhängige Ermittlung von Bildungsangeboten mit hoher Treffsicherheit, Aktualität und Relevanz zur Verfügung stellt.

Fazit

Eine Vielzahl von Ideen und Formaten gehören im weitesten Sinne zu dem Begriff Location-based Learning. Für uns hat sich gezeigt, dass gerade die neuartigen Lernformate mit GPS-Lernpfaden und lokalisierten Informationen bereits von vielen Projekten und Firmen erforscht und entwickelt werden, während die traditionellen Bildungsangebote bisher noch wenig unternommen haben um sich in einer zunehmend mobilen Zielgruppe präsent zu zeigen und sich so neue Interessenten und mehr Publikumsverkehr zu erschließen.

mp